Verdopplung der Einwohner von Vinxel durch möglichen neuen Bebauungsplan?

Liebe Mitglieder,

über die Ergebnisse der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses der Stadt Königswinter am 21. Juni werden viele die Augen verwundert gerieben haben (der Generalanzeiger berichtete). Auch wir im Vorstand des Bürgervereins. Der Vorstoß der Stadt, zusätzlich zu den bisherigen Themen Bebauung rund um den Kapellenweg sowie Gestaltung der Gemeinbedarfsfläche am Hobshof auch noch eine Bebauung nördlich der Holtorfer Straße ins Auge zu fassen, war für uns in diesem Ausmaß volllig überraschend.

Einen nachhaltigen, klug und maßvoll austarierten Entwicklungsplan für den ganzen Ort Vinxel würden wir durchaus begrüßen.  Wir sind auch ausdrücklich dazu bereit, konstruktiv mit der Stadtverwaltung und den politischen Vertretern daran mitzuwirken.

Inhaltlich haben wir allerdings sehr große Bedenken hinsichtlich des Ausmaßes dieses Vorhabens, und in Verfahrenshinsicht empfinden wir die bisherige Nichtbeteiligung der Bürger als unmittelbar korrekturbedürftig.

Durch einen neuen Bebauungsplan für eine Fläche von insgesamt 9,4 Hektar (geschweige denn in einer noch größeren Fläche) könnte sich die Bevölkerung Vinxels sehr rasch um weit mehr als 50% erhöhen. Hinzu kommen weitere große Bebauungsvorhaben in unmittelbarer Nähe, v.a. an der ehemaligen Landwirtschaftskammer in Roleber. Der Ort Vinxel besitzt aber heute kaum soziale Infrastruktur. Es ist sehr fraglich, ob ein solcher Bebauungsplan Investitionen in einer dem Ort angemessenen sozialen Infrastruktur von ausreichendem Ausmaß vorsehen würde. Auf jeden Fall könnte sich durch diese Bebauung der dörfliche Charakter des Orts sehr stark verändern.

Dieses Vorhaben der Stadt wurde an keinen Bürger Vinxels vor der Sitzung am 21. Juni kommuniziert, mit der möglichen Ausnahme einzelner Lokalpolitiker, die eventuell darüber im voraus informiert wurden. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den betroffenen Bürgern sieht gänzlich anders aus. Wir im Vorstand des Bürgervereins fühlen uns in die Irre geleitet, indem unser Vorhaben für eine Gemeinbedarfsfläche als Anlass genommen wird, einen möglicherweise massiven Bebauungsplan überraschend in die Wege zu leiten.

Wir haben uns an die Stadtverwaltung mit dem Aufruf zu einem transparenten und vertrauensvollen Dialog gewandt, dessen Ergebnis ein nachhaltiges, realistisches und ausgewogenes Entwicklungskonzept für den Ort Vinxel darstellen sollte. Es sollte in diesem Prozess klar dargelegt werden, anhand welcher Prognosen zur Bevölkerungs- und Verkehrsentwicklung der Wohnungsbedarf ermittelt wird. Diese Rechenmodelle müssen kritisch überprüft werden. Es müssen sämtliche Alternativen für die Befriedigung des Wohnungsbedarfs dargelegt und gegeneinander ergebnisoffen abgewogen werden. Es muss erläutert werden, weshalb Wohnraumbedarf der Stadt Bonn durch eine Zersiedelung der Landschaft in Königswinter befriedigt werden soll, und welche Leistungen der Stadt Bonn erfolgen, um die Belastung für den Raum Königswinter auszugleichen. Es dürfen in einem solchen Prozess politische Ziele — etwa verkehrspolitischer Art — nicht versteckt verfolgt werden, sondern es muss offen und transparent darüber gesprochen werden, welche Ziele von wem verfolgt werden. Wir müssen dann Gelegenheit haben, zu erörtern, inwiefern diese Ziele im Allgemeininteresse sind, und ob das Vorhaben überhaupt geeignet ist, die gesteckten Ziele zu erreichen (etwa ob die Errichtung größerer Baugrundstücke auf der grünen Wiese tatsächlich den viel-zitierten jungen Familien mit Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum überhaupt nutzt). Es darf durch falsche oder unvollständige Prognosen keine unumkehrbare Zersiedelung einer wunderschönen Natur- und Kulturlandschaft am Rande einer der am dichtesten besiedelten Regionen Europas erfolgen. Es muss in vertrauensvoller Zusammenarbeit ein städtebauliches Konzept entwickelt werden, welches die Belange der Dorfgemeinschaft, des Natur- und Umweltschutzes sowie der Region Bonn/Rhein-Sieg maßvoll abwägt. Wir wollen den uns anvertrauten Schatz Vinxel auch den folgenden Generationen unbeschadet weiter geben können.

In der PUA-Sitzung wurde seitens der Stadt ausdrücklich darauf verwiesen, dass die Bürger an den Entscheidungsprozessen stark beteiligt werden sollten, dass niemand vorhabe, das gesamte Gebiet von 9,4 Hektar zu bebauen, und dass der dörflicher Charakter Vinxels  erhalten bleiben solle. Wir nehmen diese Aussagen als Maßstab und gehen zunächst davon aus, dass die für uns alle sehr überraschende massive Erweiterung des Planungsgegenstandes eine Art einmalige Kommunikationspanne darstellte, die ab jetzt von einer konstruktiven gemeinsamen Dialog gefolgt wird.

Wir sehen in erster Linie die Bürgerinitiative — die bereits einen begrüßenswerten Beitrag an den Generalanzeiger übermittelt hat — als Ansprechpartner von Politik und Stadt in dieser Angelegenheit. Wir werden aber eng mit der Bürgerinitiative zusammenarbeiten und unsere Ansichten und Fragen sowie die unserer Mitglieder einbringen.

Bei der nächsten Versammlung des Bürgervereins, zu der wir bald einladen werden, wird der Bebauungsplan ein Hauptgegenstand sein.

Vorstand
Bürgerverein Vinxel

Anhänge

Sitzungsvorlage PUA 195/2017 Bebauungsplan 50/18
Anlage 1 von 195/2017
Anlage 2 von 195/2017
Anlage 3 von 195/2017

Sitzungsvorlage PUA 194/2017 Bebauungsplan 50/19
 Anlage 1 von 194/2017
Anlage 2 von 194/2017
Anlage 3 von 194/2017

Bericht Bonner Generalanzeiger vom 23.06.2017 „Erste Weichen für großes Baugebiet bei Vinxel gestellt“
Bericht Bonner Generalanzeiger vom 28.06.2017 „Einwohnerzahl von Vinxel würde sich verdoppeln“

Brief an Stadt Königsinter Herrn Krämer 05.07.2017